Kürzlich auf dem Spielplatz kam ich mit zwei Müttern ins Gespräch und eine von ihnen zeigte im Verlauf unseres Small Talks auf meinen Großen und sagte: "Ach, schau' her, er hat die Haare hinten lang und vorne etwas kürzer." Ihre Aussage könnte man nun entweder als verwundertes Entsetzen verstehen, als sarkastischen Wink mit dem Zaunpfahl – oder als Kompliment. Ich entscheide mich für Letzteres, denn wer ist schon so dreist, auf eine hässliche Kinderfrisur zu deuten, wenn die Mutter direkt daneben sitzt?! Allerdings kann ich das Kompliment nicht komplett entspannt schlucken, denn wenn es um die Haare meines Sohnes geht, schwingen auch stets Selbstzweifel mit.

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“Was habe ich bloß getaaaaaan?!"

... denke ich fast jedes Mal, wenn ich wieder die Haare des Großen geschnitten habe. Beim Friseur waren wir bisher noch nicht. Erstens weil ich befürchte, dass dieser auf eine Standardkurzhaarfrisur für kleine Jungs zurückgreifen würde, die er zufällig in seinem Repertoire unter dem Suchbegriff „hipp“ gefunden hat, und zweitens weil ich vermute, dass wir den Termin zum Haarestutzen alle vier Wochen erneuern müssten, da die Fransen einfach viel zu schnell nachwachsen – und dafür bin ich einfach zu geizig.

Aus dem Grund schneide ich, seit mein Sohn sechs Monate alt ist, selbst. Und es sieht okay aus. Er trägt sie halb-lang, das macht den Haarschnitt etwas flexibler. Manchmal vorne wohl etwas zu lang. Das merke ich daran, dass Oma ihm mal wieder ein Spängchen in den Pony geklemmt hat, weil sie der Meinung ist, er könne sonst ja gar nichts sehen.

Ich gebe mir echt Mühe...

... aber es ist eine Gratwanderung zwischen zu viel abschneiden, zu wenig abschneiden, zu schief, zu topfig oder zu fransig. Manchmal sieht er nach dem Haarschnitt für einige Tage aus wie ein Idiot, manchmal klopfe ich mir danach auf die Schulter und bin davon überzeugt, demnächst einen eigenen Kinder-Friseursalon als zweites Standbein eröffnen zu können. Das Outcome steht und fällt mit meiner Geduld – und der Fähigkeit meines Sohnes, beim Peppa Wutz gucken still zu sitzen.

Jaja, schon gut, ich seh’s ein: Für manche Dinge braucht man einfach einen Profi! Aber solange der Große sich nicht beschwert, ich die Kommentare anderer Mütter noch als Kompliment deute und in der Lage bin, mir einzureden, dass es sich um eine Frisur handelt, was ich da auf dem Kopf meines Sohnes kreiert habe, lasse ich es so weiterlaufen.

Gepostet am 20.12.16 | 0 Kommentare | Kommentar verfassen